Das neue Jahr und der Alltag

Schon bald stehen wieder einmal die Weihnachtstage vor der Tür. Ein neues Jahr meldet sich an. Bisher kann man noch kein endgültiges Urteil aus diesem Jahr ziehen. Ich kann noch keine genaue Bilanz erstellen, doch weiß ich, dass es nicht das beste Jahr war. Andererseits kann ich mich auch nicht daran erinnern, dass ein Jahr mal vollständig rund gelaufen wäre. Ich denke, dass muss es auch gar nicht. Das ist eine ganz einfach Resonanz aus dem Leben. Mal geht es bergauf mal bergab. Wir wachsen an Momenten. Ganz gleich ob sie unser Herz mit Liebe erfüllen, mit Trauer, oder einfach nur mit Gleichgültigkeit. Ich denke, dass Gleichgültigkeit die schwierigste aller Komponenten ist. Denn aus Gleichgültigkeit lernt man nicht besonders viel. Es ist lediglich eine Möglichkeit den Alltag zu überstehen. Den Alltag nicht so intensiv an sich heran zu lassen. Doch gerade unser Alltag macht so viel von unserem Leben aus. Sollten wir da nicht gerade dem Alltag deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken? Ein Tag sollte dazu da sein an sich zu wachsen und nicht eine langfriste Episode. Wir denken uns jedes Jahr immer neue Ziele aus die wir verfolgen möchten. Diese scheinen aber im Strom des Alltags unterzugehen. In so ungefähr jedem Ratgeber des Lebens steht, dass man sich mit seinen Zielen Zeit lassen sollte. Das man sie nicht von heute auf morgen umsetzen kann. Das ist auch richtig, aber dabei verlieren wir schnell die kleinen Dinge aus den Augen. Es ist meistens nicht schwer das Große und Ganze zu sehen. Vorsätze wie endlich das Rauchen aufzugeben, die überschüssigen Pfunde zu verlieren, weniger zu trinken und so weiter. Aber wer nimmt sich eigentlich vor auch mal jeden Tag etwas zu schätzen? Resonanz aus den letzten 24 Stunden zu ziehen und nicht aus einem Jahr. Würden wir an den kleinen Hürden im Leben Summa Sumarum nicht mehr wachsen als an den Großen? Natürlich prägen uns die wichtigen und großen Abschnitte unseres Leben erheblich mehr als die kleinen, aber wenn wir nur daran wachsen wäre doch die Schlussfolgerung, dass wir eben diese großen Ereignisse in unserem Leben brauchen, damit wir uns noch ein wenig mehr formen können. Wir müssten also förmlich darauf warten, dass ein Angehöriger stirbt, wir eine neue Liebe entfachen, oder neue Freundschaften finden. Wir müssten darauf warten, dass alte Freundschaften zu Grunde gehen, oder dass wir einen neuen Job bekommen. Natürlich prägt einen das. Aber prägt es einen nicht auch, wenn ich morgens aufstehe und mich einmal betrachte? Das ich mich nur im Alltag kennenlerne, weil ich in diesem Zustand nicht besonders prekär reagiere, sondern eher rational. In diesen „großen“ Abschnitten meines Lebens passiert es so oft das ich impulsiv handle. Das ich nicht völlig ich selbst sein kann, da ich eben von Emotionen überschüttet bin. Natürlich sind das alles relative Fragen, die die Biologie, Neurologie und Philosophie sicherlich beantworten können. Aber was heißt das für mich? Ich finde wir sollten zunehmend mehr eine Resonanz aus dem Alltag ziehen, als aus einem ganzen Jahr, oder gar noch einem längerem Zeitraum. Es geht nicht mehr darum den Alltag nur noch auszuhalten, sondern ihn zu leben. Ich glaube, dass ist eine deutlich schwierigere Aufgabe, als nur ein neuer Vorsatz für das neue Jahr.

Ja ich glaube es ist fast einfacherer das Rauchen aufzugeben. Wir sind in einem Zeitalter, wo wir uns immer das Beste von allem aussuchen, wie die gemischte Tüte vom Kiosk neben an. Wo wir enttäuscht sind, wenn die gemischte Tüte 100 Meter weiter dann doch leckerer ist. Wir sind ich bezogene Statisten unserer Zeit. Unser Alltag macht sich lächerlich über uns weil wir uns so sehr auf uns konzentrieren, dass wir vergessen mal innezuhalten und dann überrascht sind, dass das Jahr schon wieder ein Ende gefunden hat.

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